SYMPOSIUM

Speculative Pen: Fabulating Institutional Futures

09.07.–11.07.2026

Veranstaltet von der Temporary Gallery. Zentrum für zeitgenössische Kunst in Köln, Kunstverein Bielefeld und Kunstverein Siegen.

Speculative Pen ist ein künstlerisches Symposium in einem experimentellen Format, das institutionelle Selbstbefragung mit spekulativen Übungen zur gewünschten Zukunft von Kunstinstitutionen verbindet. Die Veranstaltung ist nicht als konventioneller Ort der Wissensübertragung, sondern als kollektiver Lernraum und künstlerisch-kuratorische Intervention konzipiert, in der institutionelle Strukturen reflektiert und spekulativ weitergedacht werden. Der Titel verweist auf den Kugelschreiber als Werkzeug administrativer und struktureller Praxis. In der Umdeutung zum „speculative pen“ erkunden wir, inwiefern spekulative Verfahren dazu beitragen können, institutionelle Strukturen und die damit verbundenen Handlungsspielräume neu zu denken. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich utopische Entwürfe in konkret situierte Spekulationen übersetzen lassen, die an bestehende Praktiken anschließen und diese weiterführen können.

Dieses Symposium ist ein offenes Forschungsprojekt, das von drei Institutionen getragen wird – der Temporary Gallery in Köln, dem Kunstverein Bielefeld und dem Kunstverein Siegen – im Rahmen des Programms Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen der Kulturstiftung des Bundes, das fünfzig Kulturinstitutionen in Deutschland zusammenbringt, um neue Ansätze für ihre Zukunft als bedeutungsvolle Orte des gesellschaftlichen Lebens zu entwickeln, insbesondere angesichts der gravierenden Herausforderungen und Krisen unserer Zeit. Über achtzehn Monate hinweg entwickeln die drei Institutionen gemeinsam ihre Arbeitsmethoden, erproben neue Modelle der Zusammenarbeit und Partizipation und gehen der Frage nach, wie Kunstinstitutionen vernetzt, gerecht und zukunftsfähig bleiben können. Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Verständnis von Ausstellungsmachen als etwas, das in das urbane und soziale Gefüge ihrer jeweiligen Städte hineinwirkt, und von Diskurs und Bildung nicht als Begleitprogramm, sondern als integralen Bestandteilen kuratorischer Praxis selbst.

Ein konzeptueller Faden, der sich durch diese Forschung zieht, ist das Konzept der permakulturellen Institution, das Aneta Rostkowska in ihrem Essay Towards Permacultural Institution (Islands of Kinship, Mousse Publishing, 2024) entwickelt hat. In Anlehnung an die Prinzipien der Permakultur – langfristiges Denken, Interdependenz und die Fürsorge für lebende Systeme – stellt das Modell Kunstinstitutionen als zugängliche und inklusive Hybridräume vor, die die Funktionen von Gemeinschaftszentren und Ausstellungsräumen vereinen und das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden wie auch der weiteren Gemeinschaft in den Vordergrund stellen. Es plädiert für eine Dezentralisierung kuratorischer Autorität, die Integration sozialen Engagements in die Kernstruktur der Institution sowie die Kultivierung nachhaltiger Praktiken, die der überproduktiven, schnelllebigen Logik der zeitgenössischen Kunstwelt entgegenwirken. Entscheidend dabei ist, dass das Modell darauf besteht, ökologische und soziale Nachhaltigkeit stets gemeinsam zu denken – keines von beidem lässt sich isoliert vom anderen behandeln. Das Konzept wurde sowohl praktisch als auch theoretisch entwickelt: zunächst durch das Sommerseminar Towards Perma-Cultural Institutions: Exercises in Collective Thinking (Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, 2022, Dokumentation hier), und anschließend durch die Workshop-Reihe Towards Permacultural Institutions: Curating Transformation (Temporary Gallery, 2023, Dokumentation hier), die die permakulturellen Ethiken – Erdpflege, Menschenpflege und gerechtes Teilen – auf Fragen institutioneller Transformation im Kunstbereich anwandte.

Kunstvereine nehmen eine eigentümliche Position in der Kulturlandschaft ein: chronisch unterfinanziert und doch beharrlich präsent, haben sie lange als etwas funktioniert, das man „ÜberlebenskünstlerInnen" nennen könnte – wendig, in der Gemeinschaft verwurzelt und gerade deshalb in der Lage zu experimentieren, weil sie außerhalb der Logik großer institutioneller Selbsterhaltung agieren. Dieses Symposium fragt, wie diese strukturelle Prekarität als Ausgangsbedingung für Solidarität neu gedacht werden kann und wie kollaborative Praktiken innerhalb und zwischen diesen Strukturen aufgebaut werden können. Durch kollektive Schreib- und kreative Ausdruckssessions, die von künstlerischen Impulsen geleitet werden, durch fiktionale Exkursionen, Workshops (darunter Paulina Seyfrieds Sprache schafft Wirklichkeit am dritten Tag), Diskussionen und Vorträge werden wir Fragen der Partizipation und Öffentlichkeit ebenso behandeln wie unterschiedliche Organisationsformen und Möglichkeiten zur Demokratisierung institutioneller Praxis. Das Symposium widmet sich außerdem sozialer Nachhaltigkeit sowie prozessorientierter, kollaborativer Bildungsarbeit – einer, die neben dekolonialen und transkulturellen Perspektiven inklusive Zugänglichkeit berücksichtigt.

Die Veranstaltung bringt eine internationale Gruppe von Künstlerinnen, Kuratorinnen, Forscherinnen und institutionellen Praktikerinnen zusammen, darunter Cane Adina Erzi, Alistair Hudson (online), Nina Möntmann, Tamarind Rossetti und Stephen Wright, Paulina Seyfried, Meghna Singh, Kathy-Ann Tan, Fatoş Üstek (online) und Franciska Zólyom. Verpflegung durch AMA.TWI.

Kuratiert von: Jennifer Cierlitza (Kunstverein Siegen), Lisa Klosterkötter und Aneta Rostkowska (CCA Temporary Gallery) sowie Victoria Tarak (Kunstverein Bielefeld).

Informationen zur Zugänglichkeit der Veranstaltung finden Sie auf der Website der Temporary Gallery. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie besondere Bedarfe oder Fragen haben oder weitere Informationen wünschen. Wir bieten Kinderbetreuung an, bitte schreiben Sie uns vorab im Zuge Ihrer Anmeldung, wenn Sie diese wahrnehmen möchten. Geben Sie dabei das Alter Ihres Kindes an.

Sprache: Englisch, mit Kurzeinführungen jedes Beitrags in einfacher Sprache auf Deutsch und Englisch.

Gefördert in Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Das Programm wird in Kooperation mit Bureau Ritter als Programmbüro durchgeführt. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) ist Kooperationspartnerin des gemeinsamen Projekts.

Programm:
Donnerstag, 9. Juli, 9.30–20.00 Uhr, einschließlich eines Abendessens in der Temporary Gallery
Freitag, 10. Juli, 9.30–20.00 Uhr
Samstag, 11. Juli, 9.30–12.00 Uhr Workshop mit Paulina Seyfried, anschließend 12–13 Uhr Mittagessen
Veranstaltungsort: Temporary Gallery, Köln

Das Symposium wird live gestreamt. Zur Anmeldung (analogen wie auch digitalen Teilnahme) schreiben Sie bitte bis zum 1. Juli an info@temporarygallery.org

Foto:
Victoria Tarak, aus dem fortlaufenden künstlerisch-kuratorischen Forschungsprojekt O Ovo

Wie das Ei eine schützende Behausung für Prozesse des Werdens bildet, ist es zugleich eine fragile Struktur, die auf die Notwendigkeit von Fürsorge und Aufmerksamkeit verweist und so zur Metapher für die ebenso behutsame, verletzliche und störbare Entstehung von Ideen wird. Die verschiedenen Eier im Bild scheinen miteinander in Dialog zu treten und verweisen auf das Symposium Speculative Pen als Ort kollektiver Praxis.

KUNSTVEREIN BIELEFELD
Welle 61
33602 Bielefeld

Do–Fr 12:00–18:00
Sa–So 13:00–19:00
Mo–Mi nach Vereinbarung
An Feiertagen geschlossen
Sommerpause 10.–31.08.2026
Besuch während der Sommerpause nach Vereinbarung möglich.

T +49 (0) 521.17 88 06
F +49 (0) 521.17 88 10
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